Tag 27

…..und wieder ganz anders….

Morgens bleibe ich einfach liegen – ich kümmere mich um nix, freue mich, dass ich so einen schönen
Lagerplatz habe und döse einfach immer wieder ein.
RATTARATTARATTA…. Hää??
Ich denke erst, ich träume und schieße dann mit dem Kopf hoch: “Wer, zum Henker, macht hier so einen Lärm und vor allen Dingen: Wo??” Ich orte die Stelle und kann tatsächlich durch die Bäume hindurch jemanden auf seinem Trecker hin/ und herfahren sehen! Aber ich muss genau hingucken und da der andere ja gar nicht weiß, dass ich überhaupt da bin, kann er mich gar nicht entdecken. Das Ganze zeigt mir nur wieder, auf was man alles achten muss. Das nächste Mal stelle ich ein Schilf auf: “Bitte Ruhe!” DAS Gesicht würde ich gerne sehen! 

Heute gehe ich also nirgendwo hin! So, wie ich schon mal schrieb: ich habe keine Lust mehr, ständig zusammen zu packen und wieder los zu ziehen – heute bleibe ich…

Es ist schön hier, die Sonne scheint durch die Bäume, der Trecker wird mit der Zeit leiser und meine Knochen scheinen sich zu beruhigen. Ich “dusche” mich ab mit meinen “Duschflaschen”, putze mir die Zähne, reibe mich Kräuteressenzen ein, die ich von meiner “Kräuterfrau” aus Borgentreich geschenkt bekommen habe, klebe mir ein Magnetherz auf das Bein und versorge meinen Fuß, der auf dem Rist etwas angeschwollen ist. Ich komme mir vor wie Winnetous Schwester ….  — wie hieß die noch? N’tschotschi – Oder so?

Gegen Mittag gucke ich in
meine Nachrichten und u.a. habe ich eine Simse von Eric mit der Info, dass ein Volker aus Wenzendorf mir Bett, Dusche und Essen anbietet. Hm…. Wenzendorf!? Wo soll das denn sein? Ich schaue in meinem Handy nach – — Wenzendorf liegt nur 8 km von meinem Lagerplatz! Und es ist ein Facebooker ! Das wäre doch jetzt mal die Chance für mich einen “reinen” Facebooker kennen zu lernen *freu* – Wie sich später heraus stellt, “verfolgt” Volker mich schon von Anfang an und hat mein Gemecker über FB auch mit bekommen 
Ich überlege kurz, ob ich meinen Platz wirklich aufgeben will und denke mir, dass ich ihn ganz einfach erstmal anrufe und höre, ob’s so kurzfristig überhaupt passt. Und es passt! Er fragt wo ich bin – ich sage: “Irgendwo in einem Wald hinter den riesigen Maisfeldern”, und wir einigen uns, dass ich mich nochmal melde, wenn ich die Straße wieder in Sichtweite habe. Ich baue also doch ab, gebe Eric Bescheid, wo ich dann bin und Volker holt mich eine Stunde später an der Straße vor Hollenstedt ab. Mein erster echter “Fremdling” über FB – 1. Sekunde: gross, Spiegelsonnenbrille, Tattoos – 2. Sekunde: ein herzliches Lächeln, mein norddeutscher “Schnack” und einen lieben Hund.. Alles tutti 

Auch bei Volker Kleinophorst aus Wenzendorf werde ich ganz selbstverständlich integriert – bekomme Dusche, Bett und von ihm lecker zubereitete Spaghetti; wir machen Spaziergänge mit Hund Louis, wobei Volker mir die wunderschöne Gegend erklärt und abends halten wir gemütlichen Klönschnack.

Ich bin einmal mehr erstaunt, wie gut ich es immer wieder treffe, wieviel Selbstverständlichkeit ich erfahre und wie einfach die Dinge sein können. Und dass sich immer wieder alles so fügt. Ob das gestern war, wo auf einmal der Andreas mit seinem kleinen Sohnemann am Strassenrand auftaucht und meiner “Eierei” erstmal bis Tostedt ein Ende setzt oder heute der Volker wo ich abends immer wieder die Füsse hochnehmen und mich ausruhen kann.
Mir geht es gut.

Eure dankbare Sabine

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