Tag 26 – zu Tag 25

Ich hatte hier mal geschrieben, dass die Karten ständig neu gemischt werden und manchmal geht das ganz  flott, wie manch einer von euch bestimmt auch weiss… Der eine Tag voller Glückseligkeit und der nächste….

Montagmorgen – ich bin voller Vorfreude, denn heute bekomme ich Besuch!! Meine liebe Kollegin, Britta Hartmann, die auch für jede Schandtat zu haben ist, rutscht mal eben  aus Oldenburg ‘rüber und will ein paar Kilometer mit mir mitlaufen- wie genial ist das denn?
…..es kommt ja oft anders als man denkt…..  :-)

Nach einer stürmischen und fast schlaflosen Nacht – in der einen Hand die kleine Lampe, die andere in die Plane gekrallt, damit sie bei der nächsten Bö keinen Abflug macht – UND dann noch eine – *schüttel*-unliebsame Begegnung – packe ich morgens alles flugs zusammen, denn ich habe noch ca. 16 km bis zu unserem Treffpunkt.
Die unliebsame Begegnung: ich hatte einen tollen Lagerplatz in einem Wald- schön trocken – und kaum “Krabbler”; ein paar Spinnen suchten sich zwar hartnäckig ihren Weg durch meine Bude und da konnte ich mir dieses Mal auch den Mund fusselig reden, die Damen hörten einfach nicht! .,. aber ansonsten … stubenrein…tja, vielleicht weil die Plane immer mal hochwehte und ich mich durch dieses ganze Hin und Her während der Nacht aus dem Schlafsack geschält hatte, lag mein Knie mal ein bisschen zu lange frei – jedenfalls drehte ich mich irgendwann um und stützte das Knie dabei auf meine Matte…und ich dachte: “iiieehh, was’n das so nass am Knie!?” Kennt ihr das..man muss jetzt nachgucken was los ist und will aber gar nicht? Ich wusste nur, dass es nicht geregnet hatte…. Schon gar nicht unter meinem Knie!! Also Taschenlampe an und nachsehen! Iiiiiieeehhhhh!!!! Ich hatte eine Nacktschnecke getötet! Tathergang: Zerdrücken mit Knie!! Boah! Und dann such mal mitten in der Nacht nach deinem Klopapier, um die sterblichen Überreste abzukratzen….

Ich also morgen los …, und dazu muss ich noch was sagen: langsam habe ich keine Lust mehr, morgens immer wieder los zu gehen, weg zu gehen, meine Sachen zu packen, abmarschbereit zu sein – ich möchte einfach mal bleiben….

Aber dieses Mal habe ich was vor: Ich will Britta treffen!
Der Weg dorthin ist nicht ganz einfach- ich verpasse die Abzweigung für den Radweg und muss über 10 km Straße laufen- und was für eine! Die rauschen nur so an mir vorbei- zweimal habe ich Glück und kann einmal für ca. Einen Kilometer im Wald nebenher laufen und einmal am Feldrand… Der Rest…richtig Asche! Immer wieder muss ich auf den unebenen Grünstreifen mit seinen Erdlöchern.., keine Ahnung wie oft ich gestolpert bin, aber mein linkes Bein meckert ganz schön!

Egal! Irgendwann ist es geschafft und Britta und ich fallen uns in die Arme! :-) Gleich an Ort und Stelle gibt es heißen “MILCHKAFFEE” und Brötchen – wie passend! – mein Essen war nämlich am Vorabend aufgebraucht; aber wir kommen gleich so ins klönen, dass wir gar nicht richtig zum essen kommen – und dann rattert der “Rasenmähermann” heran und verjagt uns (andere Geschichte – gibt’s später im Buch :-) ).
Britta lädt mich mit Sack und Pack ins Auto und wir fahren los. Wir FAHREN los? Wohin? Britta lächelt ihr “Brittalächeln” und sagt: “Uwe und ich haben uns da was überlegt…” Oh weh… Das hab ich schon ein paar mal gehört…Jetzt fährt sie mich nach Flensburg…..
Britta fragt: “Auf was hättest du denn mal so richtig Appetit?” Und ich denke: “Ach soooo… Ich werde zum Essen eingeladen! Das ist ‘ne tolle Idee!” Entspannt lehne ich mich zurück und lasse mich auf der Suche nach einem Lokal, durch die Gegend kutschieren und später beim Lesen der Speisekarte, bekomme ich richtigen Heißhunger auf die Festtagssuppe :-) hmmm… und einmal mehr geht mir durch den Kopf: “Mein “Lauf” ist eher eine Reise geworden und ich finde Dinge heraus, auf die ich andernfalls vielleicht nicht gekommen wäre…”
Um somit auch wieder auf das Thema zu kommen, frage ich Britta, wie sie sich das denn gedacht hat, mit dem Laufen.. Ihr Auto bleibt ja stehen und dann muss sie später alleine wieder zurück, um damit nach Hause fahren zu können? ICH laufe garantiert nicht mit zurück! :-)
Britta lächelt wieder ihr “Brittalächeln” und sagt: “Also – wenn du magst, dann hast du heute um 18 Uhr noch einen Termin, danach laufen wir 11 km bis zu Uwe’s bestem Freund Marcel und dann kannst du dort, bei Petra und Marcel, die Nacht verbringen – und Marcel fährt mich auch eben zurück, um mein Auto zu holen.”   ”Aha”…ich kriege runde Augen: “Was’n für’n Termin??” Britta’s Lächeln wird immer breiter: “Massage”.  ”WAAAS?” Ich bin ganz aus dem Häuschen! Und dann fällt mir SOFORT ein – äähh… Ich hab im Wald geschlafen… ich bin nicht geduscht…. Und meine Klamotten…Aber Britta wiegelt ab – man sei auf mich vorbereitet. Oh. Na dann…. Was soll’s? Und überhaupt: was andere über mich denken, geht mich nix an

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