Tag 20

Nachdem ich mich heute morgen – klamm, zerstochen und mit doofen Kopfschmerzen – wieder auf die Socken gemacht hatte, steigerte sich meine Gemütsverfassung dennoch mit jedem Schritt, denn ich wusste, dass die gute Sara mich heute irgendwo auf dem Weg aufgabeln würde und ich heute noch eine heiße Dusche und eine trockene und sichere Schlafgelegenheit haben würde.

Kinders, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie wichtig SICHERHEIT ist! Die Sicherheit zu wissen, dass jemand für dich da ist, dass sich jemand kümmert, dass du weißt, dass du einen sicheren Schlafplatz hast und deine Nahrung sicher gestellt ist. Hin und wieder taucht mal die Frage auf: Was ist eigentlich Glück? Die Antworten sind vielfältig – es gibt da vielleicht mehrere verschiedene Ansichten – je nachdem was der Eine oder Andere in seinem Leben mitgemacht und erlebt hat. Eine eindeutige Definition gibt es möglicherweise auch gar nicht – was Wikipedia dazu sagt ist mir nicht bekannt — ich habe in den vergangenen Tagen und Nächten für mich gelernt, dass Sicherheit für mich ein ganz großes Glück bedeutet!

Wenn ich mich nicht darum kümmern muss wo ich während der Nacht bleibe, wenn ich weiß, dass in meinem Rucksack noch soviel zu essen ist, dass es für den Tag reicht und wenn ich weiss, wohin der Weg führt. Gerade wenn man alleine unterwegs ist, bekommen all diese Dinge noch eine ganz andere Dimension – es ist niemand da, der mir zeigt wo ich schlafen kann oder wo ich einfach lang gehen muss, um mein nächstes Ziel zu erreichen – ich habe keinen Orientierungssinn und muss mich ständig durchfragen – natürlich habe ich selbst erarbeitete Karten mit, aber wenn ich die vorgegebe Route verlassen muss – z.B.  als ich feststellte, dass ich mit meinen kaputten Füssen keinesfalls nur per pedes durch komme und ich somit die Radwanderwege verlassen musste – dann muss ich zusehen wie ich meinen Weg finde. Die Wegweiser mit Ortsnamen darauf sagen mir nichts, ich kenne mich nicht aus – ich weiß nur Richtung Norden. Vielleicht hätte ich einen Kompass mitgenommen, wenn ich geahnt hätte, dass ich sehr oft anders laufen würde – aber bei meinen Vorbereitungen hatte ich mir überlegt, dass so ein Kompass sehr nützlich ist, wenn ich viel querfeldein laufe, aber wenn ich Strassen und Wege suchen muss, die ja meist auch in Kurven führen, dann nützt mir das nichts – die Kurven gehen nach Westen und Osten und ich wenn ich nicht weiß, wohin der Weg letztendlich führt, nützt mir der Kompass auch nichts. Und querfeldein kann ich mit meinem Gepäck auf dem Rücken nicht laufen. (lieber Wolfgand Düsener – der sich so Sorgen macht, weil ich einige Zeit und Kraft verloren habe, als ich vorgestern fast nur Irrwege gelaufen bin – und möchte, dass ich mir einen Kompass besorge).

Auch mit dem Wasser ist das manchmal so eine Sache: Heute hatte ich z.B. viel zu wenig und am letzten Haus im letzten Dorf war man nicht gewillt, mir Wasser zu geben und ich bin einfach weiter gelaufen; die Folge war, dass ich feststellte, dass der nächste Weg ca. 4km durch die pralle Sonne führte und ich nur noch dachte: spare dein Wasser! Trinke nichts, du weißt nicht, wann du etwas bekommst. Ein schreckliches doofes Gefühle. Im nächsten Ort, fand ich dann sofort den Friedhof und konnte mir dort die Flasche füllen – das ist auch Glück!!  Wenn man zu zweit ist – kann immer einer etwas, was der andere nicht kann oder weiß etwas oder übernimmt eine Aufgabe,die der andere gerade nicht kann oder auch einfach nur nicht will; wenn man zu zweit ist – ist man nicht alleine.

So bin ich auch heute anders gelaufen als geplant, weil ich ungefähr wusste, aus welcher Richtung Sara kommen würde und habe immer versucht, in der Nähe der B 27 zu bleiben – das war nicht ganz einfach, die Wege führten oft weg – ABER ich habe es tatsächlich bis ganz an diese Riesenstrasse geschafft und dort konnte die ganze komplette Familie mich dann ganz einfach einsammeln – herrlich! Auch sie sind einen großen Umweg gefahren, um mich einen Tag aufzupäppeln, mir Ruhe zu gönnen und die Annehmlichkeiten wie eine Dusche, gewaschene Wäsche und ein herrliches Bett zu bieten! Auch hier wieder eine riesengroßes Dankeschön an Sara Schwaja, ihren Mann Florian und ihren kleinen Knirps, mit dem ich heute sehr viel Spaß hatte!

eure dankbare Sabine

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