Tag 17 – zu Tag 16

Letzte Nacht habe ich zwar sehr bequem verbracht, aber mein Gedankenkarussell fuhr Achterbahn mit mir… Nachdem Kati und Mike mir eröffnet hatten, dass ich jetzt so einige Höhen zu bewältigen hätte – und das mit dem blöden Fuß- ging es in meiner Rübe hin und her – Also, ich weiß schon, dass unser gutes altes Deutschland nicht platt ist wie eine Flunder und wenn ich da einmal durch will, sind so’n paar Steigungen nun mal da. Jajaja, aber  wie kriegste das jetzt hin?

Mike und Kati hatten mir am Bildschirm gezeigt wie sich das mit den Höhenlagen und Entfernungen verhält..und Während Mike den Vorschlag machte, mich an den oberen Rhönrand zu fahren, von dem aus ich ganz bequem bis nach Vacha laufen könnte, hätte Kati mich wohl am liebsten gleich bis ganz nach Göttingen gefahren…  Nach einigem  hin und her, entschieden wir uns für Dermbach…

…. und dann konnte ich nicht einschlafen…. “Mensch, was ist denn aus deiner Tour geworden – das hat mit Laufen ja fast nix mehr zu tun.., wenn ich schon wieder so weit gefahren werde, dann können sie mich auch gleich ganz nach Hause fahren! Ja, aber was ist mit deinem Fuß? Hä? Jaulst doch ständig ‘rum! — Hm… ja, aber ein bisschen muss doch möglich sein, der Fuß ist ja schließlich nicht gebrochen – ich will wenigstens einmal da draußen in der Rhön Lager machen, dafür werde ich doch wohl ein oder zwei Höhenrücken schaffen!”…. Und so  ging das hin und her…Irgendwann entschied ich, dass ich zwar ein gutes Stück weit hoch gefahren werde, aber nicht ganz so weit wie wir es vorher ausbaldowert hatten -
Beim Frühstück besprachen wir das Ganze nochmal und dann ging es auch bald los. Als wir in der Rhön angekommen waren und wir uns Kaltennordheim, ( hier wollte ich hin ) näherten, zeigte Kati auf einen “Berg” und sagte: “Da muss man auch ‘rüber” und fuhr weiter…  :-) “Ich fahre bis Fischbach-Rhön”, verkündete sie, “das ist hier gleich….” Da sie In Fischbach-Rhön keinerlei Anstalten machte, anzuhalten, deutete ich einmal auf einen kleinen Wendeplatz und rief: “Hier kann ich gut aussteigen.” Kati lenkte kurz da drauf, gab aber gleich wieder Gas und sagte: “Hier nicht. Da vorne gibt’s bestimmt noch bessere Möglichkeiten…”

Ach, du gute Kati – bringst du mich jetzt doch bis nach Göttingen…? :-) Aber als ich gleich das nächste Mal “Hier” sagte, hielt sie mit den Worten an: “Ich kann dich doch hier nicht einfach raus schmeißen – ich hab’ ein ganz schlechtes Gewissen”.
HALLO!? Schlechtes Gewissen?? Wer ist denn hier durch halb Deutschland gefahren, nur um mich zu holen, mir ein Bett, eine Dusche und was zu Essen zu geben – und dann auch noch stundenlang zu gucken, wo ich lang laufen kann, nur um mein armes Füßchen zu schonen ?? Meine liebe Kati und mein lieber Mike- heißen Dank für eure Umstände, eure Zeit und eure Sorge!! Ich sehe schon, für meinen “Engel- und Helfertrip”, den ich im nächsten Jahr plane, brauche ich auch ein bisschen Zeit…  :-)

Aber dann bin ich endlich los – auf “Schuster’s Rappen” – erst ging es laaaange die Straße entlang – wie immer, ziemlich mistig zu laufen, denn du musst ständig auf die Fahrzeuge achten–wenn nur eins von vorne kommt, geht’s noch, aber du musst ständig die Ohren “hinten” haben, ob von dort auch einer kommt–denn dann ist es besser, die Füße ganz von der Straße zu kriegen und dich in den seitlichen Grasstreifen zu retten; wenn denn einer da ist….
Aber irgendwann konnte ich endlich die Strasse verlassen und habe mich auf den Weg gemacht, meinen ersten Höhenrücken zu “erklimmen”… Eine genauere Beschreibung gibt es davon eigentlich nicht außer ihr könnt was mit: “Oooh, Aua, Keuch und Pust” anfangen :-)
Mein Fuß brannte, aber ich war doch echt glücklich!! Dann ging es einfach weiter durch Wald und Flur nach dem Motto:”So weit die Füsse tragen”; ich stieß einmal auf einen wahren einsamen Hof, wo ich mir eiskaltes Wasser über die Arme laufen lasse durfte (es war heiß!) und traf am Abend auf eine Ansammlung von Häusern, wo ich endlich meine “Duschflaschen” auffüllen lassen konnte. Ich wusste, dass ich mir bald einen Lagerplatz suchen musste. Als die nette Frau mit meinen Flaschen zurück kam, war ein Herr bei ihr- vielleicht ein paar kleine Jährchen älter als ich, und sprach mich an: “DAS wäre auch was für mich gewesen, einfach mal ‘raus – man müsste doch mal…aber wann…?” Und ich dachte: “Ja, genau…..”
Er erklärte mir noch den Weg zu einer Grillhütte im Wald, wo ich vielleicht lagern könnte, aber ich hatte die Erfahrung mit meiner Angst vor den Menschen des nachts schon gemacht und ich dachte mir, da ja Samstag ist – vielleicht treiben sich da welche ‘rum- ich bleibe lieber ganz im Wald… Und so habe ich es auch gemacht- den Lagerplatz habe ich euch gezeigt.. Übrigens ganz und gar umgeben von Kleeblättern!

Da ich noch nicht einmal ins Netz konnte, habe ich einfach nur da gelegen und meine Gedanken schweifen lassen……und dabei immer wieder an Thomas denken müssen, der heute den Kampf seines Lebens ficht…. wie SEINE Nacht wohl aussieht…

Eure Sabine

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