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flüsternde Bäume..

…umgaben mich, als ich Ende März für eine Woche im Wald umherstrich und erzählten mir eine Geschichte, die ich nicht vergessen werde:

Es war ein ziemlich kalter Tag an diesem Märzende, es regnete und der Waldboden strömte eine kühle Feuchtigkeit aus. Das braune Laub glänzte vor Nässe. Mich störte das alles nicht, ich war schon seit einigen Tagen hier mit den “Wildniswanderern” unterwegs und das Wetter war die ganze Zeit so durchwachsen. Ich hatte mich daran gewöhnt.

An diesem Tag suchte ich mir zwischen all diesen Bäumen, diesem inzwischen schon altvertrauten Anblick,  ein Plätzchen, um ein bisschen zu verweilen und meine Gedanken schweifen zu lassen.
Unter dem Dach einer großen Buche, die natürlich um diese Zeit noch keine Blätter trug, machte ich es mir dann bequem und ließ meinen Blick durch den lichten Wald streifen. Gerade gewachsene, wuchtige Stämme umgaben mich.  Ich betrachtete sie eine ganze Weile und ihre stoische und unverrückbare Ruhe, lud mich tatsächlich dazu ein, ein wenig die Augen zu schließen. So rutschte ich noch ein bisschen weiter an dem Stamm hinab, so dass ich am Fuß der großen Buche lag, direkt auf dem kühlen nassen Laub. Mir war immer noch nicht kalt und ich schloss, ein wenig müde geworden, die Augen.
Eine kleine Weile horchte ich noch auf die Vögel, atmete tief die kühle frische Luft und dann..
..fühlte ich, wie tief, ganz tief unter mir, etwas leise in Bewegung geriet.
Es war wie ein sanftes Schaukeln, das mich trug und in meinen  Gedanken begann ein Bild zu erscheinen, ein Bild von vielen mächtigen knorrigen Wurzeln, verschlungen mit tausenden kleinerer Wurzeln, alles dicht gewebt wie ein dicker Teppich im satten Erdreich unter mir.
Alle Bäume, die um mich herum standen, schienen unterirdisch miteinander verschlungen zu sein, sie berührten sich, sie umarmten sich und sie gaben einander festen Halt. Wie die Tentakeln eines einzigen riesigen Lebewesens, gruben sich diese abertausenden Wurzeln und unterirdischen Triebe in die unendliche Tiefe unsere Erde, zärtlich miteinander umschlungen und mit jeder Berührung fühlend, wie es jedem einzelnen von ihnen erging.
Ich lag dort in der Kühle des Waldes und staunte über dieses Wunder, dass doch eigentlich so offensichtlich ist und sich mir erst jetzt, als ich das leichte Beben unter mir wahr nahm, offenbarte.
Mit geschlossenen Augen überkam mich ein herrliches Gefühl von “getragen werden”, das diese ältesten Bewohner unserer Erde verströmte und langsam dämmerte ich trotz der Kälte, die mir nichts auszmachen schien, ein.
Nach einer kleinen Weile, deren Zeit einfach durch mich hindurchfloss, begann sich ein Wispern um mich herum zu erheben, ein sanftes Flüstern, ganz fern, wie aus einer anderen Zeit und ich vernahm leise folgende Worte:
“Wir sind für euch da, spenden euch das Leben. Wir geben uns euch hin, auch wenn ihr uns nicht fragt  Wenn ihr einen von uns brecht, umarmen wir einander umso fester und wenn ihr einen von uns fällt, teilen wir den Schmerz. Wenn ihr nicht soviel von uns nehmt, können wir es ertragen und wenn ihr uns achtet, geben wir euch gerne. Doch eure Gier nach Profit, lässt unseren immensen Schmerz nicht mehr erlöschen und eure Achtlosigkeit nimmt uns die Würde.
Doch in all unserem Leid wissen wir um ein Geheimnis:  Wir werden immer wieder geboren, so ist der Kreislauf des Lebens.  Und auch wenn ihr uns zu zerstören sucht, so werden wir doch alle Zeiten dieser Welt überdauern.

Selbst wenn ihr den letzten von uns fällt, kehren wir zurück.

Denn wir sind die Hüter der Erde.”

Langsam wachte ich wieder auf.
Und konnte das dichte bebende Geflecht aus Wurzeln, Trieben und Verästelungen unter mir fast körperlich spüren, obwohl ich immer noch auf einer dicken Schicht aus nassem Laub und feuchter Erde lag. Ich öffnete die Augen und sah mich um. Meine Umgebung sah aus wie zuvor, ich hatte nicht lange geschlafen und es war immer noch taghell. Dennoch schien irgendetwas anders zu sein. Mir war, als seien die mächtigen Baumstämme um mich herum, ein wenig näher an mich herangerückt. Nicht bedrohlich, sondern eher drängend, auffordernd. Sie hatten mich etwas sehen lassen.

Und ich meinte sogar noch das Flüstern zu hören.
Das Flüstern der Bäume.

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Mein “28. Zentimeter Leben”…

…hat mich sehr beschäftigt.
Ich habe mein Leben auf den Kopf gestellt.

Kürzlich war ich auf einem schönen Firmenevent und dort bin ich sehr häufig gefragt worden, was ich denn nun mache, ob sich etwas verändert hätte und “man hätte gehört”, dass ich jetzt irgendwie “anders” leben würde. Ich hätte schon lange nichts mehr von mir hören lassen. Außer, dass ich das Buch geschrieben habe.
Also, warum habe ich mich so rar gemacht?
Die Antwort ist sehr einfach:
Durch mein kleines Abenteuer durch Deutschland, ist mir einiges klar geworden und ich wollte unbedingt meine Lebensumstände ändern. Wie manch einer von euch weiß oder ahnt, ist das nicht ganz so einfach. Es hat viel mit loslassen und auch mit verlassen zu tun. Und das habe ich getan.
Ja, es stimmt – ich lebe jetzt anders und es wird auch noch mehr “anders” werden.
Als ich dann erklärte, wie dieses “Anders” aussieht, bekam ich oft zu hören:
“Ach, wie spannend. Das ist ja toll. -  Oh, aber das könnte ich nicht.”
Ich musste über diesen Satz schmunzeln – denn das muss ja auch niemand `können` :-)
Es hat etwas mit meinem Lebensgefühl zu tun und mein “Gefühl zum Leben” hat sich seit meiner Tour sehr verändert.

Ich möchte von dieser Ameisenstraße, auf der kaum einer auf den anderen achtet, auf der ein emsiges Treiben herrscht, um so viel wie möglich zu schaffen und auch heran zu schaffen,  wo der andere nur dann gut genug ist, wenn er sich anpasst und nicht aus der Reihe tanzt und auf der letztendlich unser Planet Erde zertrampelt wird, herunter.
Als ich darüber sprach, war es eigentlich nicht erstaunlich, dass fast jeder nickte und mir mit traurigem Gesicht zustimmte.
Doch die Herausforderungen beim Verlassen dieser Straße sind groß. Du verlässt nicht nur diese Straße – du verlässt auch die anderen Ameisen. Manche fragen neugierig: was willst du denn machen, was und wie etwas ändern? ? Einige verstehen dich gar nicht und fragen: Wozu machst du das? Wozu ist das gut? und wollen dich festhalten. Andere eilen weiter und murmeln: Idiot. Und wieder andere schauen dir sehnsüchtig dabei zu, wie du dich auf den Weg machst.

Mein “28. Zentimeter” Leben war und ist aufregend und spannend – so viele Veränderungen.
Und so viele Gefühle! Manchmal Zweifel, Ängste und Unsicherheit, aber mehr noch Entschlossenheit, Freude und Zuversicht. Doch inzwischen haben sich die ersteren Gefühle völlig verflüchtigt und übrig geblieben ist eine tiefe Zufriedenheit -  da ich weiß, wohin mein Weg mich nicht mehr führen wird.
Und wohin er geht, ahne ich.
Vielleicht schreibe ich auch darüber – wie es auf meinem “28. Zentimeter” zuging. Welche Vorbereitungen ich traf und welche Ängste mich manchmal verrückt machten. Darüber welche Wege ich mir suchte und was und wer mir dabei half.
Und wie sich letztendlich alles fügte.
Mein “27. Zentimeter” naht und ich erwarte ihn mit Freude und Spannung. Die Veränderungen gehen weiter und wenn ich manchmal einen Blick in meine Zukunft werfe, kann ich es kaum noch abwarten.

eure alte Ameise, Sabine ;-)

 

Benagil_Cave,_Algarve

Eine Reisegeschichte….oder – Meine ungewöhnliche Reise mit Mary …..

…eine wahre Geschichte :-)

wolkenmeer
Mary war damals war 75 Jahre alt und sie hatte nur selten einen Ort außerhalb ihres eigenen Heimatdorfes gesehen.
Als wir dann unsere kleine Reise machten und ich begann, die Welt durch ihre alten Augen zu betrachten, bemerkte ich kleine Wunder, die mir bisher verborgen geblieben waren.

Ich selbst war früher sehr viel gereist, wollte alles entdecken und war unglaublich neugierig – doch wie das so ist – man trifft Entscheidungen, die das Leben auf einmal anders laufen lassen. Nicht schlechter, aber anders als eigentlich gedacht.
Das Reisen hängte ich damals für lange Zeit an den Nagel, meine Weitsicht schrumpfte etwas zusammen und das Leben wurde ein klein wenig enger.
Eingebettet in einem Kokon aus Familie, Job und Nachbarschaft, begann ich mit der Zeit, kaum noch etwas zu hinterfragen. Ich ärgerte mich nur manchmal über Kleinkram und die schlechten Nachrichten aus aller Welt. Vielleicht fand ich auch noch den letzten Elternabend blöd oder irgendein Gerede ging mir auf den Keks.
Ich hatte mich eingerichtet in dieser Welt und mir ging es gut..

Was ich nicht bemerkte, war die Selbstverständlichkeit, die sich in mein Leben schlich. Diese Selbstverständlichkeit, die mir sagte, dass alles ist wie es ist, dass “man” ja doch nichts ändern kann und überhaupt: morgen gewinne ich bestimmt im Lotto….
Alles plätscherte vor sich hin und irgendwann stellte ich fest: ich hatte das Staunen und die Ehrfurcht verloren…

In dieser Zeit traf ich Mary…
…und wir beschlossen, zusammen zu verreisen.
Sie hatte noch nie eine große Reise gemacht, war noch nie geflogen und doch wollte sie sich mit mir in dieses aufregende Abenteuer stürzen!
Diese Zeit wurde auch für mich sehr besonders …

Mary saß klein, blass und irgendwie zusammengeschrumpft neben mir. Ihre Augen waren geschlossen, die Hände verkrampft.
Die Triebwerke heulten auf, das Flugzeug rumpelte und bewegte sich. Wir starteten.
Als wir schon eine Weile in der Luft waren, sagte ich: “Schau doch mal nach draußen, Mary – wie schön das alles von hier oben aussieht.”
Mary öffnete ihre Augen ein klein wenig, sah mich furchtsam an und fragte: “Sind wir denn schon gestartet??”
Ich war ganz perplex: “Ja klar. Wir fliegen doch schon!”
Sie riss die Augen weit auf: “Waaas? Das habe ich ja gar nicht mitgekriegt!”
“Wie, du hast das nicht mitgekriegt? Ach Mary, das geht doch gar nicht! Hast du das denn nicht gemerkt?”
Mary drehte sich zum Fenster und schaute hinaus. “Tatsächlich! Das gibt`s doch gar nicht! Wann ist denn das passiert?” Sie lachte erleichtert auf und erklärte mir dann, dass sie gedacht hatte, dass wir wie bei einem Raketenstart in unsere Sitze gepresst und kräftig durchgeschüttelt würden und dabei kaum atmen könnten!

Sie war unglaublich erleichtert, lehnte sich in ihrem Sitz vor und schaute aus dem kleinen Fenster. Und so sah ich für die nächsten zwei Stunden nur noch Mary`s Hinterkopf. Sie schaute und schaute und drehte sich nur hin und wieder zu mir um, wenn sie eine Frage hatte oder sie mir etwas zeigen wollte.
Wir waren mitten im Februar bei kaltem schmuddeligem Schneematschwetter von Paderborn aus gestartet. Da ich wusste, dass Mary nie wieder eine derartige Reise machen würde, hatte ich unseren Flug mit Umstieg auf Mallorca gebucht. Sie sollte so viel wie möglich von der Fliegerei haben.
Jetzt saß sie neben mir, staunend wie ein kleines Kind und ich hätte sonst was gegeben, ihre Gedanken lesen zu können.
Als wir durch die vielen Wolken flogen, die schwer und grau über der Erde hingen, sagte Mary: “Meine Güte! Was ein Nebel! Der hört ja gar nicht auf. Hoffentlich kann der Pilot überhaupt etwas sehen.” Ich erklärte ihr, dass das kein Nebel ist, sondern dass wir gerade durch die Wolken flögen.
Mary war empört!: “Wolken?! DAS sollen Wolken sein?? Wolken sehen doch aus wie Watte! Wieso sind die denn jetzt so dünn??” Sie starrte aus dem Fenster, die Nase dicht an der Scheibe. Ich konnte ihre die Enttäuschung direkt an ihrem Rücken ablesen und hörte sie vor sich hin grummeln: “Da denkt man ein Leben lang, wie toll es sein müsse, mal durch so dicke Watte zu fliegen und dann ist das nix anderes als Nebel! Also sowas!”

Als wir aber durch die Wolken stießen, versank sie förmlich in dem Anblick, der sich ihr jetzt von hier oben bot. Still schaute sie auf das dicke Wolkenmeer unter uns, die Sonne schien hell und der Himmel leuchtete in einem intensiven strahlenden Blau. Mary schaute lange.
Dann drehte sie sich zu mir herum und mit unsicherer Stimme fragte sie: “Sabine?….Das ist doch die gleiche Sonne wie wir sie unten haben?? Es gibt doch keine zwei…?”
Ich lehnte mich zu ihr hinüber und schaute ebenfalls hinaus – wie um mich zu vergewissern, dass dort wirklich nicht plötzlich zwei Sonnen waren: “Nein, Mary, es gibt keine zwei davon. Das ist die eine Sonne, die wir haben – nur manchmal können wir sie einfach nicht sehen, weil einfach zu viele Wolken davor sind.”
Ich wollte es ihr noch deutlicher erklären, aber Mary schaute schon wieder ganz fasziniert nach draußen. Und dann hörte ich sie sagen:
“So ist das oft im Leben…So vieles ist da, nur sehen können wir es nicht immer.”
An diese Worte musste ich noch oft denken: Wir müssen nicht alles sehen. Es reicht doch, zu wissen, dass es da ist.

Als wir uns Mallorca näherten, war es ein unglaubliches Glück, dass wir diese Insel in seiner ganzen Schönheit im Meer glitzern sehen konnten. Die Wolken waren verschwunden und stattdessen strahlte die Sonne auf das Wasser und ließ die Schaumkronen um die Insel herum wie kleine helle Blitze aufleuchten. Es sah atemberaubend aus und ich freute mich so sehr für Mary, dass sie das erleben durfte.
Sie war ganz hin und weg von dem Anblick und als die Insel näher kam, war sie kaum noch zu halten vor Freude! Sie strahlte und sagte immer wieder: “Oh wie schön! Oh wie wunderschön!”

Beim Umsteigen hielt sich das kleine Persönchen dann ängstlich an meiner Seite – so viele Menschen, so viel Gewusel! Lange Gänge, fremde Geräusche, andere Gerüche – still tippelte Mary neben mir her, beobachtete aber alles sehr aufmerksam. Dann ging es noch eine Treppe hoch, oben standen Bedienstete der Air Berlin und fragten nach unserer Weiterreise und als ich sagte: “Faro”, wiesen sie in eine der Richtungen und sagten uns zu welchem Gate wir müssten.
Dort angekommen, stellte Mary sich sofort wieder an das große Fenster und sah dem Treiben draußen zu: Flugzeuge fuhren an ihre Startpositionen, andere landeten, Servicefahrzeuge kreuzten deren Bahnen, Koffer wurden hin und her gefahren. Mary schaute und schaute. Einmal drehte sie sich zu mir um: “Wie im Leben”, sagte sie.
“Alles scheint durcheinander. Und doch gibt es einen großen Plan.”

Als wir wieder weiter gen Süden in den Himmel abhoben, lehnte Mary gelassen in ihrem Sitz und genoß das Vorüberfliegen der Landschaften. Sie lächelte.
Während des Fluges beobachtete sie dieses Mal staunend die adretten Stewardessen mit ihren schmalen Wagen für Getränke und kleine Speisen und all das Drumherum, das es in so einem Flugzeug gibt.
Als wir uns der Küste Portugals näherten und ich einen Blick nach draußen warf, konnte ich Unmengen von Feldern entdecken, die in kleinen, dunklen- und hellbraunen Quadraten und auch anderen Formen – noch unbestellt – unter uns in der Sonne lagen. Voller Vorfreude zeigte ich darauf und erklärte Mary, dass wir nun bald unser Ziel erreicht hätten. Sie schaute wieder eine ganze Weile zum Fenster hinaus und betrachtete die Landschaft. Sie sagte kein Wort.
Als sie sich endlich zu mir herum drehte, konnte ich deutlich sehen, wie so etwas wie Enttäuschung in ihrem Gesicht zu lesen war. “Huch”, dachte ich, “was ist denn jetzt los?” Ich wagte gar nicht, sie danach zu fragen… Aber Mary ließ mich nicht lange zappeln:
“Du, Sabine….?”
“Ja?”
“Das ist aber nicht so schön.”
“Was ist nicht schön, Mary?”
“Ja, guck doch mal….Portugal besteht ja nur aus lauter Steinen!”
“Was??”
“Na guck doch! Alles braune Steine! Überall!”
“Och Mary. das sind keine Steine. Das sind Felder. Die sind nur so klein, weil wir so hoch sind.”
Stille………………………………..
“Sabine?”
“Ja?”
“Sooo kleine Felder gibt es aber nicht! Das macht ja gar keinen Sinn!”
“Nein, Mary, die sind auch nicht klein. Die sind genau so groß wie bei uns.”
Dann versuchte ich, ihr das zu erklären. Und wurde das Gefühl nicht los, dass sie mir kein Wort glaubte.

Wir verbrachten wunderbar sonnige Tage, die immer wieder einige Überraschungen für uns bereit hielten. Für Mary und für mich.
Als wir eines Tages unseren liebgewonnen Spaziergang auf den Klippen hoch oben über dem Meer machten und wieder einmal die wunderschönen skurrilen Felsen, die unweit des Ufers im Wasser stehen, bewunderten, blieb Mary länger als sonst dort oben stehen. Sie war völlig in den Anblick dieser herrlichen Steinformationen versunken und ich hätte gerne mal wieder einen Taler für ihre Gedanken gegeben. Aber ich erfuhr, was sie beschäftigte-. Mary drehte sich langsam in meine Richtung, schaute mich mit ihren alten Kinderaugen an und sagte zögernd: “Ich weiß eigentlich, dass das Blödsinn ist….aber ich verstehe nicht, wie diese riesigen Steine hierher kommen können. Sie sehen so schön aus und sie passen so gut hierher! Aber wie haben sie das geschafft? Sabine….Steine können doch nicht wachsen??” Sie schaute wieder auf`s Meer und ich hörte ein leises: “Oder?”

Und Mary machte die Entdeckung der Sprache! Nichts war faszinierender für sie als den Menschen bei ihren verschiedenen Unterhaltungen zuzuhören. Sei es der Händler, der mit einem Kunden um die Ware stritt, eine Mutter, die lautstark auf ihr Kind einredete oder Menschen, die sich einfach nur irgendwo unterhielten – Mary war immer ganz gebannt von den Worten, die da hin und her flogen.
Beim allerersten Mal stand sie mit offenem Mund da und konnte nicht aufhören, die Menschen bei ihrer Unterhaltung mit großen Augen anzustarren. Sie war ganz aus dem Häuschen, richtig aufgeregt und fragte mich immer wieder, ob ich denn irgendetwas verstanden hätte! Ich sagte ihr, dass das portugiesisch sei und sie erwiderte felsenfest: “Das weiß ich auch! Aber das kann doch kein Mensch verstehen!”
Sie erklärte mir, dass sie sehr wohl wisse, dass es z.B. Englisch gäbe….aber sie hätte es noch niemals richtig gehört, außer vielleicht im Fernsehen…aber das hier wäre ja wohl  etwas ganz anderes! So ein Kauderwelsch!

Zuhause, in Mary`s Dorf und in ihrem eigenen Heim, war immer alles so adrett, sauber und ordentlich. Mary hasste Unordnung und ganz besonders sauber ging es natürlich in ihrer Küche zu. Außerdem aß sie nur, was sie kannte. Sie hatte noch niemals in ihrem Leben Pizza gegessen und bei Gerichten, die mit Käse überbacken waren, schüttelte es sic alleine bei dem Anblick des sich in die Länge ziehenden Käses….
Doch jetzt blieb Mary nichts anderes übrig, als ständig über ihren Schatten zu springen und immer wieder aufs Neue Dinge zu probieren, die ihr Zuhause nicht im Traum eingefallen wären. Dabei entdeckte sie, staunend wie ein kleines Kind, eine ganz neue Welt von Geschmäckern. Wir aßen Ziegenwurst, die im Restaurant über unseren Köpfen von der Decke herabhingen, gegrillte Hähnchen, die die Zigeuner über offenem Feuer geröstet hatten und viele verschiedene Fischgerichte und geschmorte Gemüsesorten. Ich war sehr überrascht wie selbstverständlich Mary sich durch all diese kulinarischen Köstlichkeiten probierte. Sie lächelte nur und sagte: “Scheinbar habe ich in meinem Leben so einige Dinge verpasst. Ich hole jetzt so viel nach wie ich kann und denke einfach nicht darüber nach.” Ich fragte sie, ob sie dann zu Hause auch mal Pizza probieren würde. Sie grinste und sagte ganz bestimmt: “Nein.”

Nach wunderbaren Tagen am Strand, in der Sonne und am Meer traten wir unsere Heimreise an.
Mary`s kleine Figur ging selbstsicher vor mir her an der Bord der Maschine, suchte sich ihren Platz und sank dann völlig entspannt in ihren Sitz. Bis zur Zwischenlandung auf Mallorca erzählte sie mir in den buntesten Farben von den Dingen, die sie in den vergangenen Tagen erlebt hatte und tat dabei so, als ob ich gar nicht dabei gewesen wäre. Jedes Detail fiel ihr ein – wer hatte was gesagt, wie hatte was geschmeckt und wo sie überall gewesen war und was sie gesehen hatte.
Beim Umsteigen auf Mallorca tippelte sie selbstsicher neben mir her und als der Service der Air Berlin fragte, wohin unser Weiterflug ginge, antwortete sie statt meiner: “Paderborn. Ich glaube, wir müssen dort entlang”, und zeigte auf einen der Gänge. Sie lag sogar richtig.

Nach unserer Heimkehr drückte die kleine zarte Mary mich ganz fest an sich, lachte dann über ihr kleines zerfurchtes sonnengebräuntes Gesicht und sagte:
“Ich weiß nicht was der Herrgott sich dabei gedacht hat, unsere Erde so schön zu machen. Aber halte deine Augen einfach weit offen, damit du alles sehen kannst.”  Ich versprach ihr, sehr viel aufmerksamer zu werden und unsere herrliche Welt nicht mehr nur mit den Augen, sondern auch mit meinem Herzen zu sehen.
Mary wusste nicht, dass sie mir auf dieser Reise einiges beigebracht hatte, nämlich – wie selbstverständlich wir alles nehmen und wie oft wir uns den kleinen Wundern einfach verschließen. Wir sind so vieles einfach schon gewohnt, kleine Dinge fallen uns gar nicht mehr auf und wir fordern einfach immer noch mehr.
Wir meinen ganz viel zu wissen und und hinterfragen kaum noch etwas…
Und natürlich ist uns klar, dass wir nur eine Sonne haben und dass Steine nicht wachsen können…
Oder?

:-)

……………………………………

 

 

 

 

 

 

 

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Wie ein Klumpen Knete….

Wenn wir wie ein großer bunter Klumpen Knete in diese Welt plumpsen, sind wir riesig gespannt, was es alles an Formen, Farben und Veränderungen in diesem Leben gibt – wir freuen uns, testen aus, sind vorwitzig und neugierig. Nichts und niemand ist vor uns sicher, alles wird ausprobiert und jede Form und jede Farbe mitgenommen.  Wir strecken unsere Fühler aus, greifen nach Ideen und formen uns mal hier hin und mal dort hin…wie bunte Knete eben….
Und eine ganze Weile tanzen wir auf dem Regenbogen des Lebens -
Doch…
….überall lauern Schablonen, in die wir so schön schlüpfen können, die so kuschelig bequem sind und an die wir uns so herrlich anpassen können:
Einfach darin ausbreiten, gemütlich machen, verschnaufen, nicht mehr ausprobieren, nicht mehr nachdenken – vielleicht ist es hier sogar richtig – für jetzt oder auch für immer?
Natürlich ist so eine Schablone nicht nur bequem, sie hat auch ihre Grenzen -
An diese Grenzen zu stoßen ist….anhalten, zögern, stocken ….und dann auch umschauen: Ist es wirklich die RICHTIGE Schablone?
Wollte ich diese überhaupt? Bin ich zufrieden? Wollte ich das alles so? Und wenn nicht – was mache ich dann?
Bleiben oder gehen? Anstrengen oder bequem bleiben? Ausharren oder sich freistrampeln? Routine oder Abenteuer?

Soll ich mir wirklich die Mühe machen, über den Rand meiner Schablone zu schauen, ihn sogar überwinden und mich meiner Grenzen befreien – die vielleicht gar nicht meine sind? Oder sind sie meine geworden, ohne dass ich es bemerkt habe -
Es kann aber auch alles gut sein – manches passt ganz einfach….oder bin ich “angepasst” -
Und über allem die große Frage: “Was passiert, wenn…..?”

Wenn ich mich zu fragen beginne:
“Wo ist mein Regenbogen?”
Meine Gedanken. Meine Farbe. Mein Leben.IMG_1615

:-)

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Die Zukunft beginnt in jedem Moment…

…und wir haben immer die Möglicheit, Vergangenes ruhen zu lassen.
Oft haben unsere alten Geschichten die Eigenschaft, sich nicht von uns lösen zu wollen, manchmal sind wir es, die sie nicht gehen lassen können.

Und die Gegenstände, die uns in diesen alten Geschichten begleitet haben, erzählen ihre ganz eigene Story.

Vielleicht haben wir sie gerne benutzt und uns an ihnen erfreut oder aber ganz tief in den Schränken versteckt und dort vergessen. Vielleicht haben wir sie gut behandelt und gehegt und gepflegt oder aber schmutzig werden lassen und verrostet und kaputt. Manches haben wir gar nicht richtig beachtet und als selbstverständlich genommen und manches haben wir fast schon geliebt.  Vielleicht aber standen sie auch einfach nur herum und haben Dinge gesehen, die ganz unbemerkt an uns vorüber gegangen sind.

Ausgesprochene Entschuldigungen, die wir nicht gehört und Tränen, die wir nicht gesehen haben.

Ein Wort, das wir nicht glaubten und ein Lachen, das für uns zu leise war.

Sie hörten auch alles was wir sagten und behielten doch alles stumm für sich. Manchmal wurden sie hinein gezogen in einen Streit und dann voller Wut geworfen oder gar zerstört, manchmal heulten wir unsere Tränen in sie hinein oder hielten uns sogar an ihnen fest. Es konnte aber auch sein, dass wir sie nahmen und durch den Raum tanzten -so voller Glück wie wir viellecht gerade waren.

Die Dinge, die uns umgaben, teilten unsere Trauer und unsere Freude, unseren Neid und unser Glück.

Und auch wenn wir denken, dass das nicht sein kann….. stecken doch so viele von unseren Erinnerungen in ihnen und das macht es uns nicht immer leicht, uns von dem einen oder anderen  Stück zu trennen.

Dennoch – meine Zukunft beginnt in jedem Moment neu.

Auch wenn meine ureigenste Geschichte aus meiner Vergangenheit besteht, so ist es doch gut, mal ordentlich zu “entrümpeln”, los zu lassen und dann zu sagen:

“Sieh her Zukunft! Es ist wieder Platz für dich. In meinen Regalen und in meinem Herzen.” :-)

 

sunnysmile ….  macht Hausflohmarkt und hat ihre ganz eigenen Gedanken dazu.

Liebe Grüße ;-)

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Eine kleine Unterhaltung mit dem Universum….

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Ich stelle mir den Job des UNIVERSUMS ungefähr so vor, wie die Unermüdlichkeit einer Mutter, die ohne Pause und mit unendlicher Geduld versucht, ihre Kinderschar laufend zufrieden zu stellen und glücklich zu machen. Dabei kräht alles durcheinander, jeder macht sein eigenes Ding und mit Geschubse und Geschrei versuchen alle irgendwie vorwärts zu kommen….und Mutter soll immer wissen, was sie eigentlich wollen…

Ich hatte im letzten Sommer viel Zeit und konnte stundenlang in Ruhe nachdenken und je länger ich unterwegs war, desto öfter konnte ich mich auch mit dem UNIVERSUM unterhalten. Ich stand dem Leben wieder sehr viel neugieriger und gespannter gegenüber und ich begann, mich zu fragen, welche Überraschungen es noch für mich bereit hält, welche `Biegungen des Lebens` ich noch umschiffen und welche Menschen mir auf meinem Weg noch begegnen würden. Das UNIVERSUM hörte sich meine täglichen Gedanken an und ich bemerkte dabei, dass es sich mir gegenüber doch auch immer wieder mal zögerlich und zurückhaltend verhielt. Ich wunderte mich ein wenig, hatte ich doch immer wieder gelesen, dass das UNIVERSUM mir bei der Erfüllung meiner Wünsche und Träume doch sehr behilflich sein würde.

Es dauerte eine Weile und bedurfte einiger klärender Gespräche mit dem UNIVERSUM bis ich verstand, worauf es hinaus wollte (denn so ein UNIVERSUM kann ja nicht einfach sagen, was es denkt, oh nein – was würde das denn für einen Eindruck machen..), aber ich begriff endlich sein großes Problem:  Wenn wir nicht selbst etwas für unsere Träume tun und nicht selbst das Ruder in die Hand nehmen, um unser Schiff  `des Lebens` steuern,  dann ist das UNIVERSUM immer ganz konfus – denn es weiss einfach nicht, WIE und WOMIT es uns weiter helfen soll. Es kann nur das sehen, was wir tun und danach handeln – aber es weiß auch, dass das oft nicht das ist, was wir eigentlich wollen. “Ihr seid so – durcheinander”, sagte es ratlos. “Viele von euch schimpfen auf ihr Dasein und auf mich und sind dabei unglücklich und hoffen, dass es `irgendwie mal anders` wird.”

Ich betrachtete mein eigenes Leben, dachte über die Menschen darin nach und versuchte heraus zu finden, ob auch ich immer nur `durcheinander` war. War ich immer klar, in dem was ich wollte? Konnte das UNIVERSUM immer deutlich erkennen, wonach mir wirklich der Sinn stand? “Nein”, war die ehrliche Antwort, die ich mir geben musste. Und ich war mir sicher, dass das nicht nur mir so ging. Armes UNIVERSUM. Mir reicht es ja schon, wenn ich durcheinder bin, aber wenn man mit unendlichen `Durcheinanders` klar kommen muss….Himmel, ich würde diesen Job auf keinen Fall machen wollen. Ich glaube, das UNIVERSUM würde sich am liebsten mal zurücklehnen und leise schimpfend zu jedem einzelnen von uns sagen:

” Ich weiß, dass etliche denken, ich könne ja mal etwas bewegen – aber ehrlich gesagt, bis auf den kleineren Teil von euch, der mir klar vorlebt, was er möchte, bin ich oft verwirrt. Ich weiß häufig nicht so genau, was ihr wirklich wollt, ihr gebt mir nicht deutlich zu verstehen, wohin die Reise gehen soll und ich möchte am liebsten sagen: Was willst du eigentlich? Oder weißt du das gar nicht? Ich sehe was du tust oder eben auch nicht und nur danach kann ich mich richten. Und oftmals machst du nichts. Stattdessen sitzt du zu Hause herum und wartest, dass sich etwas von alleine tut. Dass der große Knall kommt, der dich erlöst und der dir all das bringt was du dir erträumst. Was auch immer das ist – vielleicht Wohlstand? Oder Gesundheit? Oder mehr Freunde? Was ist mit Anerkennung oder einfach nur Spaß am Leben? Woher soll ich wissen was du willst?…

Ich sehe, dass du was tust, aber ich weiß nie, ob es auch das ist, was du dir wirklich erträumst.

Du arbeitest wie verrückt, du bist ständig auf Achse und und deine Freizeit ist angefüllt mit Aktivitäten und Aktionismus – und dann schimpfst du, weil du keine Zeit hast??  ODER – Du sitzt herum, zappst dich mehrmals am Tag durch die Fernsehkanäle, bist träge und müde und schimpfst dann dass dir Knochen weh tun??  ODER – Du simst und what`s appst 10 Stunden am Tag und die anderen 10 treibst du dich bei Facebook und anderen Communitys herum und bist todtraurig, weil deine Freunde und deine `Freizeit` immer weniger werden??  ODER – Du ißt Chips, Pommes, und Zucker ohne Ende und wunderst dich, dass dein Körper das nicht mitmacht??”…….

Ich glaube, wenn das UNIVERSUM erst einmal anfangen würde, dann könnte es sich richtig in Rage reden:

“Weißt du”, würde das UNIVERSUM dann sagen, “ich kann NICHT hellsehen, ich bin nur das UNIVERSUM. Ich sehe was du tust und das ist für mich das was du dir wünschst. Und das gebe ich dir dann. Du meine Güte, wie oft vertue ich mich, weil ich einfach nicht weiß, was ihr wollt und es passieren Fehler – ihr Menschen seid so seltsam: Ihr stöhnt über eure Knochen, bleibt aber immer auf dem Sofa sitzen oder ihr habt da jahrelang gesessen und seid jetzt sauer, dass die Zipperlein in den Gelenken hocken.  Unzählige Allergien und Krankheiten machen euch das Leben schwer, aber ihr vergiftet weiterhin eure Lebensmittel. Auch wenn ihr im Supermarkt lest, welche Chemie da drin ist – kauft ihr es trotzdem. Oft wachsen Eure Kleinen schon mit Weißbrot und Nutella auf – in dem einen ist gar nix drin und in dem anderen Zucker. Und sie können mit sämtlichen Fernbedienungen besser umgehen als ich mit euch – und ich bin schon viel länger da. Ihr wollt Frieden und könnt oft noch nicht einmal in der eigenen Familie Frieden halten. Alle wollen unbedingt, dass der andere nett und freundlich ist, aber die wenigsten helfen ihrem Nächsten. Ach, ich kann gar nicht alles aufzählen, wo ihr sagt, ihr wollt das eine – und tut dann das andere.Das macht es für mich nicht gerade einfach.”

“Armes UNIVERSUM”, dachte ich, als mir allmählich klar wurde, welch schwierige Aufgabe es zu meistern hatte:  Den Menschen das zu geben was sie wollen und dabei nur sehen zu können was sie tun – da konnte die Trefferquote ja gar nicht so hoch sein: wenn ich bedenke, was ich allein schon alles wollte und dann doch nichts dafür getan habe….  – Diese Aufgabe würde für das UNIVERSUM niemals enden….Ich würde nicht tauschen wollen, um kein Geld der Welt wollte ich diesen verqueren Job haben. Ich bedauerte, dass ich ihm überhaupt nicht helfen konnte und als das UNIVERSUM, kurz vor dem Ende meines Weges, sich ein wenig näher wagte und ganz dicht an mein Ohr flüsterte: “Habe immer den Mut, bewusste Entscheidungen zu treffen”, nickte ich ernst und doch zugleich froh – denn das ist ja, vergleichsweise, eine leichte Aufgabe…. :-)

sunnysmile

 

 

 

Am See

Mein Leben und der Fluss….

….haben auf ihren Wegen so viele Biegungen und immer wieder wartet etwas Neues auf sie…..

Mein Leben ist aus den Tiefen uralten Lebens entsprungen wie ein Fluss, dessen Anfang in den ebenso uralten Tiefen der Erde liegt.

Sein Leben beginnt wie meines und sucht sich seinen Weg, durch unbekanntes Terrain und manchmal unwegsame Gebiete. Sie beide fließen mal langsam vor sich hin und suchen sich gemächlich ihren Weg und dann wieder gibt es Zeiten, da strömen sie und stolpern und fallen und können gar nicht schnell genug vorwärts kommen.  Dann wiederum müssen der Fluss, sowie auch mein Leben vielleicht sogar lange kalte Strecken überstehen, wo alles frostig wird und gefriert und ihre Seelen sich fragen, wie sie diese unsagbare Kälte überstehen sollen. Mag sein, sie werden begradigt, gestuzt und `in Form gebracht` oder manchmal sogar komplett gestaut. Doch letztendlich geht es irgendwann immer weiter.

Beide fließen durch viele Biegungen.

Unübersichtlich, angsteinflössend, ungewiss….oder neugierig, glücklich und gespannt?

Was verbirgt sich dahinter? Schaffe ich diese Kurve und welche Entscheidungen muss ich dann fällen? Wohin steuere ich mein Schiff und welche Klippen warten dort auf mich…? Oder aber – was tut sich Neues für mich auf und wie vielen tollen Dingen werde ich begegnen?  Was darf ich lernen, entdecken und wofür mich begeistern?

Beide fließen weiter. Unaufhörlich.

Sie nehmen alle Biegungen.

Und statt ängstlich zu sein sein und zögerlich, bin ich doch lieber mutig! Aufmerksam und gespannt! Denn all diese: “Oh, aber wenn…” und “Ach, ich kann nicht…” – Sätze nützen mir nichts, denn…..es fließt einfach alles weiter.

….wenn ich irgendwann einmal zurückschaue, werde ich gar nicht mehr all diese Biegungen sehen können, an denen ich meinte, ich würde sie nicht umschiffen können. Aber meine Trauer darüber, Dinge nicht getan oder gar nicht erst versucht zu haben, wäre groß. Und unwiderruflich nicht mehr zu ändern.

Am Ende werden beide wieder in die Ursprünge zurück getragen – mein Leben und der Fluss…

Und dort, ganz zum Schluss, fragt ein Wassertropfen den anderen: “He, sag mal, ist von dort je wieder einer zurück gekehrt….? :-)

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sunnysmile

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Ein neuer Anfang…

  1. IMG_2061….für diesen Blog…

Ich habe lange Zeit nichts geschrieben und war wirklich unsicher, ob ich hier weiter mache oder es lieber sein lasse. Denn wozu sollte es gut sein?

Darüber musste ich ein bisschen nachdenken, merkte aber schon, dass mir das Schreiben fehlt. Und sei es nur für mich.

Ein digitales Tagebuch.

Eigentlich bin ich ja viel eher ein großer Freund von Papier. Selbst mein Terminkalender ist noch so ein olles altmodisches Ding zum aufklappen und drin herumblättern. Eintragungen machen, wieder durchstreichen, Kästchen reinmalen, Notizen machen, tolle Sprüche aufschreiben, Buchtitel von Büchern, die mir unterwegs “über den Weg laufen” schnell notieren…all das mache ich mit meinem Terminkalender und noch mehr. Das geht nicht mit meinem I-Phone. Oder doch, nur …umständlicher. Und Kästchen reinmalen geht gar nicht.

Mein Terminkalender bleibt, auch für gaaanz viele Gedanken.

Hier aber werde ich auch welche notieren. Und irgendwann liest sie vielleicht jemand. Und sagt was dazu. Oder eben auch nicht.

Und ich werde manchmal meine Geschichten aufschreiben.

Vielleicht gefällt dir eine davon.

Sunnysmile

 

 

 

Alter Baum

Das blaue Kleid …

Alter Baum

Sie steht vor dem Spiegel….

…..und betrachtet sich.  Ihre klaren blauen Augen lächeln ihr verschmitzt zu und mit einer Hand streicht sie sich diese eine vorwitzige Strähne aus der Stirn. “Das ist doch ein kleines bisschen verrückt”, denkt sie dabei, “so vieles habe ich schon hin bekommen in meinem Leben, aber diese eine Strähne hat sich nie von mir bändigen lassen”.  Die Frau dreht sich langsam hin und her und was sie in dem großen alten Spiegel sieht, gefällt ihr ausnehmend gut.  Das blaue Kleid doch noch mitzunehmen war eine gute Idee gewesen.  Sie hatte erst gedacht, dass es sich nicht lohnen würde, aber jetzt ist sie ganz glücklich darüber und sie freut sich wie ein kleines Kind, dass dieser Farbton auch noch so wunderbar zu ihren blauen Augen passt. “Herrlich”, denkt sie und wirft sich übermütig einen Handkuß zu.

“Ach, ich habe immer so gerne getanzt”, flüstert sie auf einmal und eine kleine Melodie aus frühren Tagen sucht sich einen Weg auf ihre Lippen. Leise summend wiegt sie sich hin und her, das blaue Kleid schwingt sogar ein bisschen und langsam hebt sie ihre Arme. In Gedanken versunken schließt die Frau ihre Augen und beginnt zögernd, sich im Kreise zu drehen. Glückseligkeit durchflutet sie und wie ein Vogel, der mit ausgebreiteten Flügeln in seine Freiheit fliegt, tanzt sie mit erhobenen Armen ganz leise um sich selbst.

Und dann, ganz plötzlich, muss sie stehen bleiben, das Herz klopft wie wild und ihr Atem geht stoßweise und schwer. “Du Dussel”, schimpft sie atemlos vor sich hin. “Wie kann man nur so unverbesserlich sein. Vergiss es ganz einfach, diese Zeiten sind endgültig vorbei!” Wehmütig wirft sie noch einen letzten Blick auf ihr Spiegelbild, auf ihr schönes blaues Kleid und greift dann nach ihrem Mantel. Sie muss los. Sie braucht für diesen Weg jetzt schon immer so lange und wenn sie sich nicht anstrengt und sich beeilt, dann ist es dunkel bevor sie zurück ist.

Als sie sich endlich den Mantel übergestreift hat, geht sie vorsichtigen Schrittes bis zur Haustür, öffnet diese und schaut auf die drei Stufen, die hinunter zum Gehsteig führen. “Ich nehme lieber den Stock mit”, denkt sie, “denn ich bin immer noch ganz außer Atem”.  Stufe um Stufe tastet sie sich die Stufen hinunter. Auf dem Gehsteig angekommen, dreht sie sich noch einmal um und schaut die Straße hinunter, die nun schon fast ihr ganzes Leben lang ihre Heimat ist. Eine hochgewachsene junge Frau mit blonden Haaren und in einem wunderschönen blauen Kleid winkt ihr strahlend und voller Lebenslust zu.

“Hirngespinste”, denkt die Frau in dem Mantel und dreht sich energisch in die Richtung, in die sie nun gehen muss. “Hirngespinste. Mit 83 Jahren tanzt man nirgendwo mehr hin”. Sie senkt den Kopf und schlurft los. Doch eine Träne löst sich ganz sachte und rollt ihr über die alte eingefallenen Wange. Sie tropft auf den Gehweg und hinterlässt eine namenlose Spur in die Vergangenheit…..

sunnysmile

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Anderen gefällt…

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Anderen gefällt…

das nicht, was du gerade so gerne tun möchtest – Sie finden deine Idee überzogen, langweilig oder blöd?
Sie sagen, du hast wohl zuviel Langeweile, du kannst das sowieso nicht oder du willst dich nur in den Vordergrund stellen – du willst dich wichtig machen?

Was machst du dann?

Lässt du lieber “es bleiben” – damit du dich diesen Worten nicht länger aussetzen musst? Überdenkst du alles neu und sagst:
“Ach, die anderen haben ja recht” – oder wirfst deine Idee sogar gleich über den Haufen?
Die meisten antworten mir dann: “Aber NEIN, ich mache mein Ding! Ist mir doch egal, was die anderen denken oder sagen”.

Hm…..ich glaube nicht, dass es immer so einfach ist.

Aber welche Ideen und Träume du auch Wirklichkeit werden lassen willst – und was auch immer dir dazu “geraten” wird..

….ja, du BIST wichtig.
DU bist der wichtigste Mensch in deinem Leben.
Erfülle nicht immer nur die Erwartungen der anderen oder vielleicht erfüllst du sogar oft Erwartungen, die gar keiner an dich stellt…? Es lohnt sich, darüber nachzudenken.

Und was ist, wenn jemand doof findet, was du machst, wenn man dich auslacht, belächelt oder vielleicht sogar beschimpft? -
- hm..fühlt sich zwar blöd an, aber an sich ist das gar nicht so schlimm
Hast du schon mal darüber nachgedacht: – Du findest es auch nicht immer gut was andere machen – du lachst und lächelst und schimpfst
Und es müssen nicht immer alle dafür sein – so lange es sich für DICH richtig anfühlt!
Und sollte “ein Freund” mal so richtig übel werden, dann frage dich, ob er es unbedingt in deine Zukunft schaffen muss.

Tja und manchmal wird aus einer Idee auch gar nicht das was du dir vorgestellt hast – vielleicht wird`s krumm und schief….oder ganz anders…
…und dennoch gefällt es dir oder du versuchst es neu….

Hauptsache, Du fühlst dich wohl in deinem Leben..
es gibt nur eins.